Das Gelbgesicht
Genau wie beim Spangle handelt es sich im Falle aller Gelbgesichtsarten um dominante, und somit in einfaktorig und zweifaktorig auftretende Farbschläge. Wenn man die Art des Gelbgesichtes (GG) und die Faktorigkeit betrachtet, ergeben sich somit 6 Variationen, die voneinander zu untescheiden sind.
Das Gelbgesicht ist ein selbstängier Farbschlag, der ausschließlich bei Wellensittichen der Blaureihe - also Hellblaue, Dunkelblaue, Mauve und Anthrazit - auftritt. Der blaue Wellensittich ohne GG hat - wie wir alle wissen - ein weißes Gesicht.
Wichtig zu wissen ist, dass sich das GG nicht nur im Gesicht auswirkt, sondern im gesamten Gefieder des Vogels, und somit sein komplettes Erscheinungsbild verändern kann.
Die getragenen Faktoren (einfach oder doppelt) und die Art des GG erweisen sich insbesondere im Kükenalter als sehr interessant, denn wenn man weiss welches Gelb das Küken trägt, weiss man auch, wie sich dieses später im Erscheinungsbild des erwachsenen Wellensittichs auswirken wird, und somit welche tatsächliche Farbe er tragen wird.
Es gibt drei Arten von Gelbgesichter:
- Europäisches Gelbgesicht Mutation I (auch EGG I genannt)
- Europäisches Gelbgesicht Mutation II (EGG II)
- Australisches Gelbgesicht (AGG)
Europäisches Gelbgesicht Mutation I
Mitte der 30-er Jahre erschienen auf Austellungen und in Züchtervolieren die ersten gelbgesichtigen Wellensittiche. Zu einer Zeit, in der es nur normal Grüne und normal Blaue Wellensittiche zu bestaunen gab, sorgte die Entdeckung eines blauen Vogels mit gelbem Gesicht für große Aufregung und Furore. Es handelte sich damals um das Europäische Gelbgesicht.
Kurz darauf wurde es den Züchtern jedoch klar, dass es zwei unterschiedliche Mutationen dieses Gelbgesichtes geben muss: das EGG I und EGG II.
- EGG I 1-faktorig:
Das EGG Mutation I ist wahrscheinlich das aktuell meist verbreitete Gelbgesicht, zumindest in der Haustierhaltung. Es weist eine helles, cremegelbes Gesicht auf, weshalb es englisch auch manchmal Creamface oder Lemonface genannt wird. Die Schwanzfedern sind ebenfalls gelb umsäumt. Dank seiner sehr hellen Farbe ist dieser Farbschlag recht einfach zu erkennen und lässt sich von den anderen gut unterscheiden.
- EGG I 2-faktorig:
Wellensittiche, die 2 Faktoren von dem EGG I tragen stellen eine eher überraschende Besonderheit dar: Ihr Gesicht erscheint weiß. Sie besitzen nämlich ein solch helles Gelbgesicht, dass es vom menschlichen Auge von der Farbe weiß nicht zu unterscheiden ist. Rein optisch sehen sie also wie weißgesichtige Blaue aus. Man nennt sie daher im allgemeinen Weißgesichter. Nur eine weitere Verpaarung kann Ausschluss darüber geben, ob dieser Wellensittich nun ein Normaler oder ein EGG I doppelfaktorig ist (nach den Vererbungsregeln: 2fg. x kein Faktor = 100% 1fg.).
Europäisches Gelbgesicht Mutation II
Dieser Farbschlag erschien zuerst in England im Jahre 1935, bei einem Züchter Namens Jack Long. Die gelbgesichtigen Küken entstanden aus der Verpaarung eines dunkelgrünen Hahns mit einer grünen Henne. Später stellte sich jedoch heraus, dass die grüne Henne gar nicht wirklich grün war, sondern selbst schon ein ausgedehntes EGG II besaß, das ihre blaue Farbe grün erscheinen ließ.
- EGG II 1-faktorig:
Im Kükenalter sind einfaktorige EGG II kaum von ihren einfaktorigen EGG I Kollegen zu unterscheiden. Dies ändert sich jedoch mit der ersten Mauser rasant. Die Butterblumengelbe Farbe dehnt sich nicht nur im Gesicht aus, sondern im gesamten Körper- und Flügelgefieder. Die Rumpffarbe ändert sich somit stark, und das Küken-blau erhält eine seegrüne Note. Es gibt viele Bezeichnungen für die Farbe des EGG II 1fg.: Textmarker, Smaragd, Türkis, etc. Die Intensität und die Tiefe der entstandenen Farbe hängt davon ab, wieviele und welche Dunkelfaktoren der Wellensittich besitzt. Ein Grauer z.B. wird nach 2-3 Mausern eher in einem graugrün erscheinen, während ein Hellblauer ein helles, leuchtendes seegrün erhält.
- EGG II 2-faktorig:
Wellensittiche, die das EGG II-Gen gleich in doppelter Menge (2fg.) von ihren Eltern geerbt haben besitzen eine leicht intensivere, tiefere Gesichtsfarbe als ihre einfaktorigen Geschwister. Die Farbe beschränkt sich jedoch in ihrem Fall lediglich auf die Gesichtsmaske sowie den Schwanz- und Schwungfedern. Nur im Brustbereich entfaltet sich trotzdem ein gelber Überzug, der sie hier grün erscheinen lässt.
Australisches Gelbgesicht
Das Australische Gelbgesicht ist ein für Europa relativ junger Farbschlag. Er kam vermutlich erst 1981 zusammen mit dem Spangle nach Deutschland, damals direkt aus Australien. Seitdem hat er sich in sämlichen Ländern Europas unter verschiedenen Namen verbreitet.
- AGG 1-faktorig:
Einfaktorige australische Gelbgesichter sind im ausgewachsenen Alter kaum von grünen Wellensittichen zu unterscheiden. Ihr Rumpf- und Körpergefieder ist je nach Dunkelfaktor hell-, dunkel oder olivegrün und ihr Gesicht ist ein tiefes Narzissen- bzw. Goldgelb. Daher rührt auch ihre englische Bezeichnung "Goldenfaces". Die einzige Möglichkeit, ein AGG zu erkennen, bleibt der Blick unter dem Flügel. Da wird ein blauer Wellensittich als ein solcher verraten.
- AGG 2-faktorig:
Bei doppelfaktorigen australischen Gelbgesichtern verhält sich die Farbe im Grunde wie bei doppelfaktorigen europäischen GG II. Die Farbe beschränkt sich auf dem Gesichts- und Brustbereich, die Schwanz- und Schwungfedern sind gelb überhaucht und die Flügel sind an der Stelle gelb, an der ein normal blauer Wellensittich weiß aufweisen würde.